Integrationscoach

Projekt „Integrationscoach“

Zu Beginn des Kalenderjahres 2015 sind an den vier lippischen Berufskollegs Internationale Förderklassen für jugendliche Geflüchtete eingerichtet worden. Aufgrund der stetig steigenden Anzahl hat der Kreis Lippe beschlossen, neben der bewährten Schulsozialarbeit sozialpädagogische Fachkräfte als Integrationscoaches zur Unterstützung der gesellschaftlichen und beruflichen Integration der Schüler/-innen einzusetzen. Die Integrationscoaches haben im September bzw. im November 2015 mit je einer halben Stelle pro Berufskolleg ihre Arbeit aufgenommen.

Die Anzahl der Internationalen Förderklassen an den Berufskollegs erhöhte sich während der Projektlaufzeit von insgesamt 10 Klassen im Herbst 2015 auf 15 Klassen zum Schuljahresende 2015/16 und zwischenzeitlich auf 20 Klassen im November 2016. Vorrangiges Ziel der Integrationscoaches ist es, mit jedem/jeder Schüler/-in eine Anschlussperspektive zu erarbeiten und bei deren Umsetzung zu unterstützen. Die Planung von Zukunftsperspektiven erfordern je nach Einzelfall ganzheitliche, individuelle Hilfestellungen, d.h. Fragestellungen und Probleme müssen bearbeitet bzw. gelöst werden, bevor weitere schulische oder berufliche Schritte eingeleitet werden können. So beinhaltet die Unterstützung im Einzelfall neben einer ausführlichen Anamnese die Beratung der Jugendlichen, Elterngespräche, Hausbesuche und Gespräche bzw. Gruppenveranstaltungen mit dem Ziel, das hiesige Gesellschaftssystem kennen zu lernen. Daneben sind die Integrationscoaches zuständig für unterschiedliche Anliegen wie der Klärung des Aufenthaltsstatusses, des Leistungsbezugs, der Anerkennung von im Heimatland erworbenen Qualifikationen und sind Ansprechpartner für Ehrenamtliche.

Was die berufliche Orientierung betrifft, so führen die Integrationscoaches entsprechende Lerneinheiten zum Thema „Bewerbungen“ durch, fahren mit ausgewählten Schüler/-innen zum Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit, zu Ausbildungsmessen und organisieren Betriebsbesichtigungen. Zusammen mit den Lehrkräften unterstützen die Coaches bei der Praktikumssuche, begleiten die Praktika im Einzelfall und beraten die Schüler/-innen zu geeigneten Anschlussperspektiven.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war im ersten Projektjahr der Aufbau von und die Arbeit mit einem gut funktionierenden Netzwerk, von dem die Jugendlichen in unterschiedlichen Problemsituationen und Lebenslagen profitieren können. Neben den schulinternen Kooperationen mit Lehrkräften, Schulsozialarbeiter/-innen und der Kommunalen Koordinierungsstelle Schu.B ist zwischenzeitlich eine enge Zusammenarbeit mit Beratungseinrichtungen, der Agentur für Arbeit Detmold, dem Jobcenter Lippe, dem Kommunalen Integrationszentrum, Kammern, Betrieben und Wohlfahrtsverbänden entstanden.

Der Übergang in Anschlussperspektiven ist zum Schuljahreswechsel bei allen abgehenden Schüler-innen der Internationalen Förderklassen gelungen. Von den insgesamt 207 Jugendlichen ist die Mehrzahl an den Berufskollegs verblieben: einige benötigen mehr Zeit, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, andere streben im Rahmen der Internationalen Förderklassen den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 an, andere sind in weiterführende Bildungsgänge wie den Berufsfach- oder Handelsschulen eingemündet. Diejenigen, die das Berufskolleg verlassen haben, sind in duale Ausbildung, versicherungspflichtige Beschäftigung, in einen Integrationskurs, in eine Einstiegsqualifizierung oder in eine berufsvorbereitende Maßnahme der Agentur für Arbeit eingemündet. Drei der abgegangen Schüler/-innen haben ein Studium aufgenommen.

Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass die Jugendlichen Zeit benötigen, um die Sprache zu erlernen, sich an das gesellschaftliche System anzupassen und somit Zeit, sich in dem für sie fremden Land zurechtzufinden und zu integrieren. Insbesondere die jungen Leute, die aus ihrem Heimatland keine oder nur eine geringe Schulbildung mitbringen, haben einen hohen Förderbedarf. Bei vielen kann bereits heute davon ausgegangen werden, dass der Weg hin zu einer Ausbildung und damit zu einer gelungenen beruflichen Integration Jahre in Anspruch nehmen wird.

Um dem steigenden Bedarf der Schüler/-innen in den Internationalen Förderklassen gerecht zu werden, sind längerfristige Projektplanungen erforderlich. Ein erster Schritt in diese Richtung ist getan: über das Förderprogramm des Landes NRW „Multiprofessionelle Teams zur Integration durch Bildung für neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler“ ist dem Kreis Lippe eine Stelle für eine Laufzeit bis 31.07.2019 zugewiesen worden. Durch ein eingeleitetes 2. Zuweisungsverfahren besteht ggfs. die Möglichkeit, eine weitere Stelle über das Landeprogramm zu erhalten.